Bildungsmediale 2016

Bildungsmediale

 

Der diesjährige Nationale IT-Gipfel im November wird ganz im Zeichen der Bildung stehen und auch die Kultusministerkonferenz will bis Ende des Jahres eine umfassende Strategie für die „Bildung in der digitalen Welt“ verabschieden – ein weiteres Zeichen dafür, dass Digitale Bildung längst ein zentrales schulpolitisches und pädagogisches Thema geworden ist. Höchste Zeit also, darüber zu diskutieren, wie das Bildungssystem fit für die digitale Zukunft gemacht werden soll.

Bereits am Vorabend der Bildungsmediale wurden im Rahmen eines Fachgesprächs die Dagstuhl-Erklärung und das daraus entwickelte Konstrukt „Haus der digitalen Bildung“ von Ira Diethelm analysiert und weiter ausgeführt. Auch das Kooperationsverbot zwischen Bund und Ländern wurde durch einen inhaltlichen Input von Saskia Esken (Mitglied des Deutschen Bundestags) kontrovers diskutiert. Am darauffolgenden Tag, dem 15. September 2016, widmeten sich interessierte Experten aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Bildung dann auf der Bildungsmediale 2016 in der Katholischen Hochschule in Mainz der Frage, wie Digitale Bildung in Schulen etabliert werden kann. Träger der Veranstaltung waren die Initiative Keine Bildung ohne Medien (KBoM!), die Initiative D21 und der Bündnis für Bildung e. V. (BfB). Die Bildungsmediale fand zum zweiten Mal seit 2013 statt und versteht sich als Plattform für Diskussion und Austausch über Schulen in der digitalisierten Gesellschaft.

Was genau versteht man unter Digitaler Bildung? „Für eine digitale Bildung müssen wir Digitalisierung in Bildung und Bildung in Digitalisierung bringen. Digitale Bildung besteht nicht nur aus Nullen und Einsen, es ist viel mehr!“, so Saskia Esken (Mitglied des Deutschen Bundestags) in der Auftaktdiskussion mit Lena-Sophie Müller (Geschäftsführerin des gemeinnützigen Vereins Initiative D21), Martin Hüppe (Geschäftsführer des Bündnis für Bildung) und Justin Gentzer (Vorstand des Bildungswerk für Schülervertretung e.V.). Dabei kamen auch die strukturellen Barrieren zwischen Ländern und Kommunen zur Sprache, welche die für die Digitalisierungsentwicklung benötigte Zusammenarbeit noch erschweren – eine Herausforderung die durch anders verteilte Zuständigkeiten und Kooperation angegangen werden muss.

Auf die Frage, welche Standards für Lehrkräfte in der Medienbildung gelten sollten, stellte Lena-Sophie Müller drei Punkte heraus, die realisiert werden müssen: erstens muss der infrastrukturelle Rahmen des Lehrumfelds stimmen, dies beginnt bei simplen Dingen wie einem funktionierenden Internetzugang. Zweitens muss Medienbildung verpflichtender Bestandteil der Aus- und Weiterbildung für Lehrkräfte sein. Damit eine Umsetzung von digitaler Bildung auch möglich ist, gilt es drittens die Lehrpläne und Prüfungsordnungen dementsprechend  anzupassen.

Wie das Programm der Digitalen Bildung in Schulen aussehen soll, ist vielen Ländern bereits bewusst - sogenannte notwendige „21.-Century-Skills“ benötigen zur Vermittlung allerdings eine andere Kultur des Lernens, welche aus zwei Säulen besteht: die informatische Grundbildung der SchülerInnen sowie medienpädagogische und mediendidaktische Ansätze. Für diese Ansätze bedarf es nicht eines bestimmten neuen Fachs, vielmehr sollen diese Ansätze in bereits bestehende Fächer integriert werden. Dennoch darf die Umsetzung nicht in allen Fächern verbindlich sein – Verbindlichkeit ist ein zu großer Schritt, der eine sofortige Umsetzung eher erschwert.

Trotz vieler Pläne, „besteht ein Umsetzungsproblem, das gelöst werden muss“, so Martin Hüppe. „Es fehlen Menschen, die versuchen mit den Schulen neue Wege zu entwickeln; es hapert an handelnden Personen, die Konzepte aber sind da!“ Damit diese Konzepte auch umgesetzt werden können, müssen Ländern und Kommunen mit Hilfe von Politik und Wirtschaft Freiräume zur eigenständigen Weiterentwicklung geschaffen werden. „Dies kann jedoch nicht unter Druck durch die Politik geschehen, da Schulentwicklung ein langsamer, aber steter Prozess ist, der partizipativ stattfinden muss“, so Esken. Neben der schulischen muss jedoch auch die außerschulische digitale Bildung gefördert werden: Schülern sollte eine vernetzte Bildungslandschaft vor Ort zu Verfügung gestellt werden.

Prof. Dr. Heidi Schelhowe, Professorin für Digitale Medien in der Bildung in der Informatik an der Universität Bremen, stellte in ihrem Impulsvortrag „Von der Leichtigkeit der Zeichen und von der Macht der Produktion. Medienbildung und Informatik“  die Herausforderungen der Digitalen Bildung vor, denen wir uns noch stellen müssen. Denn Digitale Medien sollen in der Schule nicht nur genutzt, sondern in ihrer Komplexität und Abstraktion auch verstanden werden – die Grundbedingung für eine nachhaltigen, tiefen Lernerfolg findet nur im Wechsel zwischen Strukturbildung und konkreter Aktivität, eben durch praktische Handhabung , statt. Indem Schüler und Studierende beim Lernen Prozesse, bspw. durch elektronische Modellbauten, erstellen und sich über ihre Konstruktionen austauschen, werden virtuelle und stoffliche Gegenstände gekoppelt und somit Prozessketten erfahrbar und verständlicher. „Die Technik darf nicht mehr als bloßes Hilfsmittel verstanden, sondern muss als eigene Kultur mit eigener Bedeutung und Qualität gesehen werden, was das Erlernen von technologischen Komponenten bedingt“, so Schelhowe, die damit eine  stärkere Verankerung der Informatik in der Schule fordert, so dass ein Muster „of thinking und making!“ verinnerlicht wird. Hierzu muss das Lernarrangement zum Handeln und Denken über und mit dem Medium auffordern.

Eine Umsetzung dieser Forderungen ist nach Schelhowe nur möglich, indem Digitale Bildung einen zentralen Platz in der Lehrer- und sozialpädagogischen Aus-und Weiterbildung erhält. Zudem muss Digitale Bildung interdisziplinär zwischen Medienpädagogik und Informatik unterrichtet werden.

Gruppenbild mit Veranstaltern und Organisatoren: Prof. Dr. Thomas Knaus (GMK), Jana Kausch (D 21), Justin Gentzer (Bildungswerk für Schülervertretung und Schülerbeteiligung), Prof. Andreas Büsch (Clearingstelle Medienkompetenz der Deutschen Bischofskonferenz), Saskia Esken MdB, Lena-Sophie Müller (D 21), Martin Hüppe (Bündnis für Bildung), Dr. Petra Missomelius und Prof. Dr. Sven Kommer (Sprecherin/Sprecher von KBoM!) Foto: Benedikt Geyer - CC BY-NC 4.0

Gruppenbild mit Veranstaltern und Organisatoren: Prof. Dr. Thomas Knaus (GMK), Jana Kausch (D 21), Justin Gentzer (Bildungswerk für Schülervertretung und Schülerbeteiligung), Prof. Andreas Büsch (Clearingstelle Medienkompetenz der Deutschen Bischofskonferenz), Saskia Esken MdB, Lena-Sophie Müller (D 21), Martin Hüppe (Bündnis für Bildung), Dr. Petra Missomelius und Prof. Dr. Sven Kommer (Sprecherin/Sprecher von KBoM!)
Foto: Benedikt Geyer - CC BY-NC 4.0

Jun.-Prof. Dr. Jasmin Bastian von der AG Medienpädagogik an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz definierte in ihrem Vortrag genauer, welche Kompetenzen und Arten von Bildung „Digitale Bildung“ beinhalten sollte: Medienkompetenz, Digitale Kompetenz und Digitale Souveränität. Desweiteren erläuterte sie das rheinland-pfälzische Projekt „Medienkompetenz macht Schule“, welches mit Hilfe eines 10-Punkte-Programms die Medienkompetenz an Schulen weiterhin stärken soll. Wie auch ihre Vorredner plädierte Bastian für die Präzisierung der Fokussierung auf Lehrkräfte und deren Ausbildung, die zu vermittelnden Inhalte und ein funktionierendes Kooperationsnetzwerk für außerschulische Medienbildung.

In den nachmittäglichen Workshops zu den Themen Schulentwicklung, Lehrerfortbildung, Curriculum und Außerschulische Medienbildung setzten sich Referenten und Besucher_innen aus unterschiedlichen Disziplinen zusammen, um Fragen und konkrete Handlungsmöglichkeiten, Digitale Bildung in Schulen zu etablieren, zu erarbeiten und zu diskutieren. „Was muss eine „Schule für die digitalisierte Gesellschaft“ vermitteln?“, „Wie sollen Fortbildungen und Konzepte zum Lernen im digitalen Wandel für Lehrende aussehen?“ oder „Was sind Anliegen, Anschlüsse, „Curricula“ und Stolpersteine von außerschulischer Medienbildung?“  - so lauteten nur einige der Fragen, auf die mögliche Antworten diskutiert wurden.

Ein Resultat der Workshops war, dass Schülerinnen und Schüler Freiräume benötigen, in denen sie bezüglich Digitaler Bildung freier und ohne konkrete Anleitungen durch Lehrkräfte agieren können. Die von Natur aus bestehende Neugier der Kinder an Medien, darf nicht durch starre Konzepte im Keim erstickt werden. Das Medienkonzept sollte deshalb gelebte Praxis sein, die einen dynamischen Prozess des Lernens voraussetzt.

Die Ergebnisse der Bildungsmediale 2016 wurden am frühen Abend auf dem Abschlusspodium festgehalten: vor allem in der Lehreraus-und Weiterbildung sollten Konzepte gefunden werden, nicht die Digitale Bildung in Schulen, sondern die Schulen in der Digitalen Bildung zu etablieren, da eine selbstbestimmte Gesellschaft ohne digitale Bildung nicht möglich ist. Umstritten ist jedoch noch, ob Digitale Bildung als eigenes Fach oder besser in alle Fächer integriert gelehrt werden muss. Fest steht außerdem, dass sich sowohl Kultur und Gesellschaft, als auch das Lernen selbst durch (digitale) Vernetzung stark verändern wird.

 

Autorin: Elisabeth Müller (Clearingstelle Medienkompetenz der Deutschen Bischofskonferenz an der Katholischen Hochschule Mainz)


09:00 Uhr   Ankunft und Möglichkeit zum Besuch von thematischen Ständen


10:00 Uhr  Begrüßung

Prof. Dr. Martin Klose | Rektor Katholische Hochschule)

Dr. Simone Schelberg | SWR

Renate Pepper | Direktorin LMK


10:20 Uhr  Grußwort Dr. Claudia Bogedan | KMK-Präsidentin | Videobotschaft

10:30 Uhr Leitfragen zur Veranstaltung

Saskia Esken | Mitglied des Deutschen Bundestags

Justin Gentzer | Bildungswerk für Schülervertretung und Schülerbeteiligung

Martin Hüppe | Bündnis für Bildung e.V.

Lena-Sophie Müller | Initiative D21


11:30 Uhr  Impuls Prof. Dr. Heidi Schelhowe | Hochschullehrerin für “Digitale Medien in der Bildung”, Universität Bremen, Leiterin Arbeitsgruppe dimeb  

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12:30 Uhr   Mittagspause  

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13:30 Uhr   Impuls Jun.-Prof. Dr. Jasmin Bastian | Uni Mainz, Medienpädagogik
14:00 Uhr   Vorstellung der Workshops  
14:15 Uhr   Workshops zu den Themen Schulentwicklung, Lehrerfortbildung, Curriculum und Außerschulische Medienbildung

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15:45 Uhr   Kaffee-Pause und Möglichkeit zum Besuch von thematischen Ständen

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16:15 Uhr   Abschluss-Podium | Vorstellung und Einordnung der Workshop-Ergebnisse

Prof. Dr. Ira Diethelm | Carl von Ossietzky Universität Oldenburg

Stephan Griebel | Initiative D21

Dr. Friederike von Gross | Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur

Christine Hauck | Bündnis für Bildung


17:00 Uhr   Ende der Veranstaltung 

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Moderation: Claudia Deeg, Christine Poulet | SWR


Die Veranstaltung wird über Statements / Kurzinterviews / O-Töne per Video und Streaming dokumentiert.

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Schulentwicklung

Titel: Schule morgen?!

Schulentwicklung ist der Schlüssel für Veränderung an Schulen. Der digitale Wandel, der unsere Gesellschaft in allen Lebenswelten erfasst hat, wirkt auf Schule. In diesem Workshop wollen wir uns mit der Frage beschäftigen, wie sich Schulen weiterentwickeln können, um sich dem digitalen Wandel zu stellen. Gibt es Beispiele? Was heißt das für die Schulleitung und Lehrer? Wie gehen wir mit Veränderung um? Wie verändern sich die Kultur und die Didaktik durch die Chancen, Möglichkeiten und Herausforderung der Digitalisierung? Welche Rolle können die Schulträger in diesem Zusammenhang einnehmen? Diese Fragen wollen wir uns anhand von praktischen Beispielen gemeinsam mit den Teilnehmern nähern. Ziel ist die Beschreibung der wesentlichen Gelingensbedingungen für gute Schule im 21. Jahrhundert.

Referenten:
Dr. Christian Büttner | Stadt Nürnberg
Prof. Dr. Rudolf Kammerl | Universität Hamburg
Dr. Angela Thiele | Grundschule am Koppenplatz Berlin

Moderation:
Martin Hüppe | Bündnis für Bildung

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Lehrerfortbildung

Titel: Lebenslanges Lernen für Lehrende? Fortbildungen und Konzepte zum Lernen im digitalen Wandel.

Lernen verändert sich grundlegend und permanent im digitalen Wandel – und damit die Bedingungen und Anforderungen, unter denen Lehrkräfte lernen und lehren. Sowohl das, was gelernt werden muss, als auch die Art und Weise, wie gelernt wird, ändern sich. Um diesen Herausforderungen gerecht zu werden, sind Lehrkräfte gefordert, sich anders als in der Vergangenheit kontinuierlich fortzubilden. Im Workshop werden zunächst Thesen zum neuen Verständnis des Lernens präsentiert. Danach werden die klassischen Formate der Lehrerfortbildung auf ihre Tauglichkeit hinterfragt und Alternativen vorgeschlagen. Die Erfahrungen und Ideen der Teilnehmenden sollen an prominenter Stelle auch digital in den Workshop einfließen. Es wird daher gebeten, digitale Zugangsgeräte mitzubringen (Smartphone, Tablet oder Laptop).

Referenten:
Richard Heinen | learning.lab Uni Duisburg-Essen
Lisa Rosa | Landesinstitut für Lehrerbildung Schulentwicklung Hamburg (LI)

Moderation:
Jana Kausch | Initiative D21

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Curriculum

Titel: Was muss eine “Schule für die digitalisierte Gesellschaft” vermitteln?

Die Frage nach dem Stand der schulischen Medienbildung beinhaltet immer auch die Frage nach deren Inhalten, gar einem längerfristig angelegten Curriculum. Was muss hier gelehrt werden, damit die nächste Generation adäquat und aktiv an einer zunehmend digitalisierten Gesellschaft partizipieren kann. Nicht zuletzt stellt sich dabei die Frage, welcher informatischen Anteile es dabei bedarf (siehe auch die ‘Dagstuhl-Erklärung’). In unserem Workshop werden wir – gemeinsam mit Vertretern von Ministerien und Landesmedienzentren – an der Frage nach den Curricula und ihrer Umsetzung (sowie dem aktuellen ‘Stand der Dinge’) arbeiten.

Referenten:

Prof. Dr. Ira Diethelm | Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
Renate Holubek | Bundesministerium für Bildung (BMB) Österreich

Moderation:
Sven Kommer | Keine Bildung ohne Medien

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Außerschulisches

Titel: Außerschulische Medienbildung. Anliegen, Anschlüsse, “Curricula” und Stolpersteine

Die Wichtigkeit schulischer Medienbildung ist in aller Munde. Während noch überlegt wird, ob diese fächerintegrativ oder als eigenes Fach in den Kontext Schule integriert werden soll, gerät die außerschulische Medienbildung ins vermeintliche Abseits. In unserem Workshop möchten wir, gemeinsam mit der Geschäftsführerin der GMK – Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur – und VertreterInnen von drei ausgewählten medienpädagogischen Projekten (Klicksafe.de, Ohrenspitzer und FSM) die außerschulische Medienbildung auf den Prüfstand stellen. Im „Projekt-Hopping“ zwischen den verschiedenen Angeboten findet ein intensiver Austausch mit den Projektverantwortlichen über Curricula, Stolpersteine, Zielgruppen und Schnittstellen für die Kooperation zwischen Schule und außerschulischen Playern, statt.

Referenten:
Friederike von Gross | GMK
Birgit Hock | Ohrenspitzer
Birgit Kimmel | Klicksafe.de
Björn Schreiber | FSM

Moderation:
Prof. Andreas Büsch und Christina Rolle | Clearingstelle Medienkompetenz der Deutschen Bischofskonferenz